Teezubereitung: Von Teebeutel bis Gong Fu Cha
Um dieses Thema zu starten, möchte ich einmal unsere Kerneinstellung klarstellen: Wir finden alle Tees und Zubereitungsarten gut und richtig, solange es individuell schmeckt oder praktisch ist (Ja, wir tolerieren auch Teebeutel, aber bitte setz diese nicht mit hochwertigem losen Tee gleich). Wer in die Welt des Tees eintauchen möchte, kann auch andere Zubereitungsarten ausprobieren und vielleicht für sich selber etwas Neues entdecken.
Teebeutel
Der ungeschlagene Klassiker ist wohl der Teebeutel. Er ist in jedem Supermarkt erhältlich und einfach sehr praktisch. In die Tasse, aufgegossen, wieder herausgeholt und weggeschmissen. Für echte Teeliebhaber ist der Teebeutel meist der erklärte Feind. Warum? Weil in der Regel kein hochwertiger Tee in Teebeuteln verpackt wird. Der Tee darin besteht meist nur aus Teestaub. Echte, ganze Teeblätter sucht man hier vergeblich. Krümelige Teeblätter bedeuten auch mehr Oberfläche und damit eine schnellere Extraktion beim Aufguss. Dadurch kommen mehr Bitterstoffe aus dem Tee und feine Geschmacksnuancen werden leider überdeckt. Gleichzeitig verliert der Tee durch die starke Verarbeitung oft schon vorher einen Teil seiner Aromatik. Viele Teebeutel sind auf schnellen, starken Geschmack ausgelegt – oft für die Kombination mit Milch oder Zucker. Das erklärt auch, warum sie oft kräftig, aber wenig komplex schmecken. Weiterhin besteht die Kritik, dass viele Teebeutel Mikroplastik enthalten.
Große Teekanne / Western Style
Wer anfängt, sich mit losem Tee zu beschäftigen, findet vielleicht den Einstieg über eine große Teekanne mit einer Füllmenge von 800 ml bis 1,5 l und integriertem Sieb. In der Teewelt wird das oft als Western Style bezeichnet.
Das funktioniert wunderbar, meist sind jedoch nur ein Aufguss oder maximal zwei möglich, da durch die große Flüssigkeitsmenge bereits viel aus dem Teeblatt extrahiert wird. Auch diese Zubereitungsart ist sehr praktisch und man kann schnell viel Tee zubereiten. Der Tee wird jedoch oft etwas kalt, bevor man ihn komplett getrunken hat und mit sinkender Temperatur verändert sich auch der Geschmack. Wenn Tee länger stehen bleibt, oxidiert er weiter und der Geschmack verändert sich meistens eher ins Negative.
Cold Brew
Cold Brew, oder auch Kaltextraktion, ist eine tolle Zubereitungsart, die leider noch zu wenig genutzt wird. Teeblätter können ganz einfach mit kaltem Wasser aufgegossen und dann über Nacht in den Kühlschrank gestellt werden.
Anders als beim Aufgießen mit heißem Wasser erfolgt die Extraktion hier sehr langsam und sanft. Durch die lange Zeit werden feine Nuancen aus dem Tee herausgeholt, die beim heißen Aufguss manchmal nicht wahrnehmbar sind. Meist lösen sich auch weniger Bitterstoffe und mehr Süße. Koffein löst sich auch in kaltem Wasser, aber langsamer. Dadurch wird Cold Brew oft als „weicher“ oder bekömmlicher wahrgenommen, obwohl durchaus Koffein enthalten ist. Für uns persönlich eignen sich weiße und grüne Tees am besten als Cold Brew, aber auch chinesische Schwarztees entfalten eine schöne Süße.
Grandpa Style
Dieser Begriff wurde im Westen geprägt, bezeichnet jedoch eine sehr simple Art des Teetrinkens, wie sie in China vor allem unter der älteren Generation üblich ist.
Dabei werden lose Teeblätter einfach in ein Gefäß oder eine Thermoskanne gegeben und mit heißem Wasser aufgegossen. Die Blätter bleiben dabei im Wasser. Ob der Tee da nicht überzieht? Tut er sicherlich. Es wird jedoch einfach über den Tag hinweg davon getrunken und bei Bedarf wieder heißes Wasser nachgefüllt. Man verwendet oft weniger Blattgut als bei anderen Methoden oder robustere Tees, die mit dieser Art der Extraktion besser umgehen können. Das ist ebenfalls sehr praktisch und funktioniert gut. Wer jedoch empfindlich auf Bitterkeit und Adstringenz reagiert, für den ist das vermutlich eher nichts.
Gong Fu Cha
Gong Fu Cha ist wahrscheinlich die bewussteste Art, Tee zuzubereiten. Der Begriff kommt aus China und bedeutet so viel wie „Die Kunst der Teezubereitung“. Besonders verbreitet ist diese Methode in den Regionen Fujian und Guangdong. Im Gegensatz zum Western Style wird hier mit viel Tee, wenig Wasser und sehr kurzen Ziehzeiten gearbeitet. Statt einer großen Kanne nutzt man meist einen kleinen Gaiwan oder eine kleine Teekanne. Der Tee wird mehrfach aufgegossen. Warum macht man das? Weil sich der Geschmack über die Aufgüsse hinweg verändert. Ein Tee zeigt dabei verschiedene Facetten: mal floral, mal süß, mal kräftiger. Man bekommt ein viel tieferes Verständnis für den Tee selbst.
Durch die hohe Blattmenge und kurzen Ziehzeiten kontrolliert man sehr präzise, welche Stoffe wann extrahiert werden. Bitterstoffe kommen eher später, während süße und aromatische Komponenten früher wahrnehmbar sind. Gute Tees sind oft speziell für diese Art der Zubereitung gemacht. Gerade Oolong oder Puerh „öffnen“ sich erst richtig über mehrere Aufgüsse hinweg.
Gong Fu Cha ist weniger praktisch als andere Methoden, aber dafür intensiver. Es ist weniger „schnell Tee trinken“ und mehr ein kleines Ritual. Für viele ist genau das der Reiz daran.
Hier eine einfache Anleitung, wie man Gong Fu Cha startet:
Teeequipment mit heißem Wasser vorwärmen
Tee in den Gaiwan oder kleines Kännchen geben (z.B. 5g auf 100 ml)
Mit heißem Wasser aufgießen (Je nach Tee, unterschiedliche Temperatur beachten.)
Kurz ziehen lassen (5–15 Sekunden)
Den ersten Aufguss wegschütten oder über sein Tea Pet schütten und dieses damit “füttern”, da hier viele Bitterstoffe enthalten sind und man mit dem ersten Aufguss die Teeblätter aktiviert.
6. In den Gong Dao Bei (Zwischengefäß/ Fairness Cup) abgießen, damit alle Tassen den selben Geschmack erhalten
7. In kleine Tassen einschenken und genießen
8. Den gesamten Vorgang wiederholen und beobachten, wie sich der Geschmack verändert
Matcha
Für dieses japanische Traditionsgetränk werden fein zermahlene Grünteeblätter in heißem Wasser gelöst. Matcha hat in den letzten Jahren einen weltweiten Hype ausgelöst, sodass japanische Farmen mittlerweile an ihre Kapazitätsgrenzen kommen. Das Mahlen der Teeblätter lässt sich nur schwer skalieren, da die Blätter sehr empfindlich sind und falsche Verarbeitung die Qualität beeinträchtigt. Um Tencha (Teeernte, die zu Matcha verarbeitet wird) herzustellen, werden die Teepflanzen vor der Ernte beschattet. Dadurch produziert die Pflanze mehr Chlorophyll und Aminosäuren, was für die intensive grüne Farbe und den umamireichen Geschmack verantwortlich ist.
Der Hype entstand vor allem durch die Verbreitung von Matcha Latte bei großen Ketten wie Starbucks und durch die starke visuelle Präsenz auf Social Media. Traditionell wird Matcha jedoch nur mit Wasser und ohne Zugabe von Milch oder sonstigen Zusätzen getrunken, entweder als Usucha (ca. 2 g Matchapulver auf 70 ml Wasser) oder Koicha (hochkonzentriert, z.B. 3 g auf 30 ml).
Dem Grünteepulver werden viele positive Eigenschaften aufgrund seines hohen Antioxidantiengehalts zugeschrieben, weshalb sich Matcha auch in der Wellnessindustrie stark verbreitet hat. Zubereitungsoption für einen Usucha oder Latte:
Schale vorwärmen
Matcha sieben (optional) 2 g Matcha (ca. 1–2 Bambuslöffel) in die Schale (verhindert Klümpchen)
Wasser auf 70°C erhitzen
ca. 70 ml Wasser zum Matcha hinzufügen
Mit dem Bambusbesen (Chasen) schnell in „W“-förmigen Bewegungen schlagen, bis ein feiner Schaum entsteht
Pur genießen oder Milch hinzufügen